Die Geschichte der Narrenzunft Hüfingen e.V.


Einer Stadtrechnung aus dem Jahre 1560 entstammt der älteste bekannte Nachweis für die Hüfinger Fasnet. Darin heißt es: „Item denn jungen Gesellen pfeifferlon uff die faßnacht jährlich 5 schilling“.
Vermutlich handelt es sich bei den erwähnten Gesellen um eine Vereinigung von Handwerksgesellen, bei denen das gesellige Leben eine wichtige Rolle spielte. Man nimmt aber an, dass die Hüfinger Fasnet wesentlich älteren Ursprungs ist.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts, zwischen 1610 und 1624, verkaufte der Erbe des Fasnetnarren Hans von Schellenberg (1552-1609), Conradt Vintler von Plätsch, das halbe vordere Schloß an den Landgrafen Wratislaus von Fürstenberg. In den Verkaufsakten wurde damals folgendes festgelegt:
„Zuo Faßnachts Zeiten gibt man allen Kindern der Stat, im obern schloß das Küechle, jedem 3. Darzuo würt gemalen 1 Mut, Kernen. Schmalz 7 oder 8 maß nach Gelegenheit. Item selbiger Zeit gibt man mit dem hindern Schloß, zweyen Spilleiten, und zweyen Dantzmeistern, iederthail ain mahl zuo Esen, mechte sich Laufen (auf) 1 gl. (Gulden) 3 bz (Batzen) .....“

Heute noch wird an jedem Schmutzige Dunnschtig nach der Absetzung der Obrigkeit auf dem Balkon des Rathauses das Fasnetküechle von der Narrenzunft ausgegeben.

Aufgrund des 30 jährigen Krieges und darauffolgender Hungersnöte finden sich erst im späten 17. Jh. wieder Fasnetbelege. Dabei dokumentiert folgender Ausschnitt (1691) die zentrale Bedeutung der Hüfinger Fasnet für die Baar. Aus einem Kriegsprotokoll der Kaiserlich Vorderösterreichischen Stadt Bräunlingen vorm Schwarzwald, das vom Oberschultheiß Johann Konrad Gumpp geführt wurde heißt es u.a.: 
„Den 25. Februar 1691 haben Ihro Ercelenz, Generalfeldzeugmeister Baron von Stadel, mich und meine Eheliebste zu der Fastnacht einladen lassen, allwo wir dann alle drei Tag verbleiben müssen und nachdeme der zu Neustadt gelegene Herr General von Auersperg seinem Sekretarium Hugen den 24. dieses allhero zu mir geschickt, daß ich auf dem 25. zwei Wagen mit Tannenreis einflechten und in Bereitschaft halten solle, welches geschehen, inmassen hierauf seine Ercelenz, der Herr General von Auersperg, und seine Frau Gemahlin sambt anderen Herren Offizieren von Neustadt in Bauernkleidern und dann in solchem habitu die Frau Generalin von Cransfeld mit den beiden Fräulein von Haußen allhero zu mir kommen, allwo wir sambtlich in solche Wägen eingesessen und zu Hüfingen bei dem unteren Tor den Spielleuten eingefahren, zumalen bei dem Herren Generalen von Stadel, welcher sambt seinem ganzen Hof auch auf bäuerisch gekleidet gewesen, abgestiegen und alsdann diese Fastnachtszeit uns lustig gemacht haben.“

Der Mittelpunkt der Baaremer Fasnet war zu jener Zeit also das damals noch fürstenbergisch regierte Hüfingen.

Übrigens kann man davon ausgehen, dass jenes Ereignis im Jahr 1691der Beginn der Bräunlinger Fasnet kennzeichnet.

Das 18. Jh. war geprägt von Fasnetsverboten. Besonders gefährlich für die fürstenbergische Obrigkeit erschien der strählende Hansel, der mit seiner spitzen Zunge so manchem Hüfinger Bürger zusetzte.

Diese Bürgerfasnet jener Zeit hatte auch einen starken Einfluß auf die Donaueschinger Fasnet, welche damals auf der einen Seite den höfischen Karneval pflegte und auf der anderen Seite Teile der Hüfinger Fasnet enthielt.
(Zur Gründung der Eschinger Narrenzunft hat die Hüfinger Fasnet übrigens einiges beigetragen. 1853 inszenierten die Hüfinger am Fasnetzieschtig eine Veranstaltung, bei der ein Hüfinger Bahnhof ausgemessen und anschließend ausgesteckt wurde. Bei dieser Veranstaltung waren auch zahlreiche Donaueschinger anwesend, die nach ihrer Heimkehr noch am selben Abend im Hirschen ihre Narrenzunft gründeten.)

Im späten 18. Jh. fanden die ersten organisierten Umzüge statt, jedoch versuchte das Oberamt, diese sowie die gesamte Straßenfasnet zu verbieten. Die Narren konnten sich aber wie so oft durchsetzen.

Am 06. Januar 1903 wurde die Narrenzunft Hüfingen im Gasthaus Bären gegründet. Damals wurde eine Narrenkommission gebildet, welche die Aufgabe hatte, die Fasnet zu organisieren. Bereits 1846 wurde versucht, einen Narrenverein zu gründen. Es war von einer Narrengesellschaft die Rede, die aber leider nicht lange existierte.

Die Narrenkommission unter dem Vorsitz von Thomas Fritschi gab 1903 das erste Narrenblatt heraus, welches seitdem regelmäßig gedruckt wird. Man findet darin lustige Begebenheiten Hüfinger Bürger, die während des gesamten Jahres gesammelt werden.

Das Motto jenes Fasnetmentigs hieß „Münchner-Oktoberfest“. Finanziell scheint sich jene Fasnet auf jeden Fall gelohnt zu haben, denn es konnten immerhin 100 Mark zur Errichtung eines Holzpavillons gestiftet werden.

Die folgenden Jahre waren geprägt von Hanselhäsbeschaffungen. Im Jahre 1923 wurden unter der Regie von Franz Sepp Moog mit Hilfe von 228 verkauften Anteilscheinen zu je 500 Mark sieben neue Häser angeschafft. Fortan hatte die Narrenzunft immer einige Hanselhäser zum Ausleihen parat. Die Miete für ein Häs wurde damals auf 30 Mark festgelegt. Heute besitzt die Narrenzunft ca. 70 Häser, die an der Fasnet größtenteils auf der Straße sind.

1924 fand am Schmutzige Dunnschtig der erste große Kinderumzug statt, der sich in der Festhalle auflöste. Jedes Kind erhielt eine Wurscht mit Wecken. Dieser Brauch wird auch heute noch beibehalten. Der Kinderumzug wird heute zum größten Teil von Schülern und Lehrern der Lucian Reich Schule sowie des Kinderheims Mariahof gestaltet.

Im Herbst 1924 wurde im Villinger Stiftskeller der Verband Badischer und Württembergischer Narrenzünfte gegründet (heute VSAN). Zun den 13 Gründungsmitgliedern gehörten damals auch die Hüfinger Narren.

Nach dem Krieg wurden leider sämtliche Hanselhäser von den Franzosen zerstört oder konfisziert, welche sich damals einen Spaß daraus machten, im Hanselhäs durch die Gassen zu laufen. Dadurch sind nicht mehr viele alte Hanselhäser vorhanden. Evtl. existieren noch einige in Frankreich.

Ab 1946 konnte, wenn auch unter schwierigen Bedingungen, wieder eine Straßenfasnet stattfinden.

1949 wurde der Hüfinger Hanselbrunnen eingeweiht. Den Brunnen gestaltete Franz Sepp Moog (damals Zunftmeister), der sich damit einen lang gehegten Traum erfüllte. Leider verstarb der Künstler vier Tage vor der Einweihung des Brunnens. Die Figur wurde im Jahre 2001 restauriert und vom damailgen Vizezunftmeister Herbert Labor bemalt.

Die Geschichte der Hüfinger Fasnet kann auch in der Chronik von Peter Albert „Hüfinger Fasnet“ von 1992 nachgelesen werden.